Zuchtbuch und Rasse, was ist der Unterschied?
Fragen zum Zuchtprogramm
Definition von Zuchtbuch und Rasse

Um die Zusammenhänge zwischen einem Berberpferd, einem Araber-Berber und dem Zuchtbuch für Berberpferde zu verstehen, ist es wichtig, zwischen Rasse und Zuchtbuch klar zu trennen.

Ein Zuchtbuch ist ein gesetzlich festgelegter Begriff. Das Tierzuchtgesetz definiert unter dem Begriff des Zuchtbuches:

„ ...ein von einer anerkannten Züchtervereinigung geführtes Buch der Zuchttiere eines Reinzuchtprogramms zu ihrer Identifizierung und zum Nachweis ihrer Abstammung und ihrer Leistungen.“ (TierZG §2 Begriffsbestimmungen, Punkt 4 )

 

Durch diese Begriffsbestimmung und durch die Voraussetzung zur Führung eines Zuchtbuches (EN 92/353) wird sichergestellt, dass die Zuchtbuchzugehörigkeit eines Pferdes eindeutig, nicht interpretierbar und unabänderlich ist.

 

Der Begriff der Rasse ist nicht im Tierzuchtgesetz verankert. Jedoch beschreibt Wikipedia im Zusammenhang mit der Züchtung einer Rasse:

„Eine Haustierrasse ist eine Population eines Haustiers, die sich in Merkmalen wie dem Körperbau, den Eigenschaften als Nutztier und dem Verhalten von anderen Populationen abgrenzen lässt und diese Merkmale vererbt“.


Die Abgrenzung von anderen Populationen, nämlich die Rassezugehörigkeit, ist oft subjektiv und kann nur in bestimmten Punkten auf objektive Weise erfolgen.

 

Weshalb sollten die Begriffe getrennt werden?

Für die deutschen Rassen ist es im Allgemeinen so, dass jedes Zuchtbuch Tiere einer einzigen Rasse beherbergt. Aus diesem Grund werden Zuchtbuchzugehörigkeit und Rassezugehörigkeit im deutschen Sprachgebrauch häufig gleichgesetzt oder gar verwechselt.

In anderen Ländern ist dies nicht so. Im französischen Sprachraum macht man hier grundsätzlich eine Unterscheidung: Sowohl in Frankreich wie auch in den Ursprungsländern des Berberpferdes werden in jeder Zuchtbescheinigung eines Zuchttieres sowohl die Rassezugehörigkeit als auch  die Zuchtbuchzugehörigkeit angegeben.

Dies scheint für ein „ Cheval camargue, inscrit au stud-book du cheval camargue“ ( „Camarguepferd, eingetragen im Zuchtbuch für Camarguepferde“) selbstverständlich, ja nahezu überflüssig. Bei anderen Rassen kann dies durchaus von Bedeutung sein so zum Beispiel beim Welsh-Pony  mit seinen verschiedenen Sektionen: Vom Welsh Mountain Pony (Sektion A) bis zum Welsh Cob (Sektion D) erhalten in Frankreich alle Tiere neben der Rasseangabe den Zusatz, „inscrit au stud-book  du poney Welsh“.

 

Mehrere Rassen innerhalb eines Zuchtbuches

In der deutschen Zuchtbuchordnung werden diese Sektionen mit den Rassen Welsh Mountain Pony (Sektion A), Welsh-Pony (B), Welsh-Pony im Cob Typ (C) und Welsh-Cob (D) gleichgesetzt.

Alle vier Sektionen gehören dem gleichen Zuchtbuch an. Tiere verschiedener Sektionen können untereinander gekreuzt werden. Die Sektion innerhalb des Zuchtbuches, in welche die Nachzucht eingetragen wird, ist im Zuchtprogramm festgelegt. Die Zuchtbuchzugehörigkeit ändert sich für die Nachzucht nicht.

(Sektionszugehörigkeit der Welsh-Ponys)

Wenn ein Tier nicht mehr den Merkmalen einer Sektion (Rasse) entspricht, so kann es nach bestimmten Regeln in eine andere Sektion des Zuchtbuches umgetragen werden. Die Zugehörigkeit zum Zuchtbuch ist jedoch unabänderlich.

 

Was ist nun Rasse, was ist Sektion?

Ist eine Sektion gleichzusetzen mit einer Rasse?
Einerseits wird jede Sektion eines Zuchtbuches als Rasse bezeichnet. Man spricht andererseits aber auch immer wieder vom Zuchtbuch einer Rasse.

Der Begriff der „Rasse“ ist mehrdeutig und deshalb besteht hier sicherlich Diskussionsbedarf. Diese Diskussion gilt ebenfalls für den Araber-Berber, denn auch in den Ursprungsländern herrscht hier keine Einigkeit.

In der deutschen Gesetzgebung bestehen hier – durch die fehlende Begriffsbestimmung der Rasse – mehrere Interpretationsmöglichkeiten.

 

Welche Bedeutung hat dies für das Berberpferd?

Der Rahmen der Zuchtbücher ist durch die gesetzlichen Definitionen eindeutig festgelegt. Für das Zuchtbuch für Berberpferde gibt es in den Ursprungsländern die zwei Sektionen: „Berberpferd“ und „Araber-Berber“. Diese Sektionen bedeuten keine Spaltung der Population: Pferde verschiedener Sektionen können gekreuzt werden, die Nachzucht wird nach vorbestimmten Regeln in der entsprechenden Sektion eingetragen. Die Zugehörigkeit zum Zuchtbuch bleibt jedoch bestehen. In Deutschland ist es nicht möglich, Sektionen für die Geburtseintragungen zu erstellen. Fohlen, für die ein Araberanteil ausgewiesen wird, erhalten die Rassebezeichnung Araber-Berber.

In den Ursprungsländern, wie auch in vielen Mitgliedsstaaten wird die Population einer „Rasse“ nicht dem gesetzlich definierten Begriff „Zuchtbuch“ zugeordnet, so wie dies im deutschen Tierzuchtrecht der Fall ist. In den meisten Fällen wird der Begriff der Rasse für die Subpopulationen des Zuchtbuches verwendet. Deshalb steht beim Berberpferd bzw. beim Araber-Berber hinter dem verwendeten Begriff „Rasse“ nicht zwingend eine eigenständige Zuchtbuchpopulation.

 

Wie werden die Sektionen des Berberpferdes voneinander abgegrenzt?

Die Abgrenzung der Sektionen entspricht der Bestimmung der Rassezugehörigkeit. Es gibt jedoch einen Unterschied zwischen den Sektionen im Zuchtbuch für Welsh-Ponys und den Sektionen im Zuchtbuch für Berberpferde: Während beim Zuchtbuch für Welsh-Ponys jede Sektion ihr eigenes Zuchtziel besitzt, welches erlaubt eine objektive Abgrenzung – nämlich das Stockmaß -von den anderen Sektionen durchzuführen, so gibt es für den Araber-Berber kein Zuchtziel. Der Araber-Berber ist vom Berberpferd abhängig und wird deshalb im Zuchtbuch für Berberpferde geführt. Die Organisation, die das Ursprungszuchtbuch führt, ist der Weltberberverband – Organisation Mondiale du Cheval Barbe.

Das Kriterium zur Bestimmung der Rassezugehörigkeit vom Berberpferd ist weder äußerlich noch charakterlich messbar. Die OMCB hat hierfür keine Vorgabe gemacht. Deshalb gehen die Zuchtverbände auf verschiedene Weise damit um:

  • In Frankreich wird die Abgrenzung durch ein objektives Kriterium eingeleitet ( unter 2% Araber-Anteil) und muss durch ein subjektives Kriterium (äußerliche Beurteilung) bestätigt werden.
  • In den Ursprungsländern findet man  häufig Pferde in der Sektion Berber, von denen ein Elternteil Araber-Berber ist. Die Abgrenzung beruht nur auf äußerlicher Begutachtung. Dabei führt jedes Ursprungsland  den Sektionsübergang durch, ohne sich auf eine gemeinsame Vorgehensweise geeinigt zu haben. Dabei zählt insbesondere, dass jeder einzelne Fall die Ziele des Zuchtbuches für Berberpferde, dass sich jedes Land gesetzt hat, auf kohärente Weise erfüllt.
  • Im Rheinischen Pferdestammbuch wurde - um spätere Änderungen einer Eintragung auf Grund einer subjektiven Beurteilung zu vermeiden - die Abgrenzung durch ein unmittelbar feststellbares, objektives Kriterium definiert, nämlich durch den Anteil des Araberblutes, der mit weniger als 1,57% sehr tief angesetzt ist.
 
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